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Projekt
Neubau Schulhaus Schlatt
Ort
Widnau
Jahr
2013-2016
Bauaufgabe
Schulbau, Neubau Unterstufenschulhaus mit KIGA und Tiefgarage
Projektstand
in Bearbeitung
Bauherrschaft
Politische Gemeinde Widnau
Verfahren
Projektwettbewerb mit Präqualifikation, 1.Rang



AUSGANGSLAGE Das bestehende Schulhaus Schlatt aus dem Jahre 1897 hat durch mehrere radikale Sanierungen seine Historizität eingebüsst und ist im heutigen Zustand weder ein Zeuge für den historischen Schulhausbau noch ein gutes Beispiel für die 50er-Jahre Architektur. Betriebliche Mängel, eine zu erwartende aufwendige Sanierung und die ortsbaulich beengende Situation durch einen Erweiterungsbau führten zum Entscheid den Bestand vollständig durch einen Neubau zu ersetzen. SITUATION Das Areal der Schulhäuser Schlatt und Wyden sowie der Kirchenbezirk mit Kirche und Friedhof mit dessen Baumbeständen sind für die Identität des Ortes von grosser Bedeutung. Der Bearbeitungsperimeter wird östlich von der Rütistrasse und südlich von der Büchelstrasse begrenzt. Die Friedhofsmauer im Norden leitet westlich zum Areal des Schulhaus Wyden über. Das Projekt konzentriert sämtliche Nutzungen in einem grossmassstäblichen, zweigeschossigen Gebäude entlang der Rütistrasse. Der feingliedrige, Baukörper ist sensibel dem Terrain aufgesetzt und bildet zusammen mit dem vorgelagerten Pausenplatz ein Ensemble, welches dem Ort eine neue Identität verleiht. Das Primarschulhaus tritt als eigenständiger Bau mit öffentlicher Ausstrahlung in Erscheinung und korrespondiert durch die moderate Höhenentwicklung mit den gewachsenen, kleinmassstäblichen Strukturen. UMGEBUNG Der Freiraum des neuen Schulhauses wird in drei unterschiedlich gestaltete Bereiche gegliedert; den Pausenplatz, die Spiellandschaft und die heckengefassten, dem Schulhaus zugeordneten Aussenräume. Im Westen des Schulhauses ermöglicht ein grosszügiger Pausenplatz eine polyvalente Nutzung für den Pausenbetrieb und für Veranstaltungen. Der Platz wird mit zwei verschiedenen Asphaltarten strukturiert. Die Wege durch das Schulareal zum Friedhof werden dadurch unaufdringlich markiert. Ein grosskroniger Baum setzt einen malerischen Akzent im Platz, gliedert ihn und bildet einen Blickfang. Der Platz wird zur Büchelstrasse hin begrenzt durch eine langgezogene Grünfläche und einer frei wachsenden Hecke aus verschiedenen schnittverträglichen einheimischen Sträuchern. Den räumlichen Abschluss bilden drei Bergahornbäume. Den nördlichen Abschluss des Pausenplatzes bildet die Rückwand der Urnenmauer, die in diesem Bereich genügend hoch ist, um einer allfälligen Störung Pausenbetrieb - Friedhofkultur entgegen wirken zu können. Im Übergang zum Schulhaus Wyden wird in einem mit Sträucherhecken fein gegliederten Grünraum eine Spiellandschaft mit verschiedenen Geräten zur Sinnesentfaltung und zur Übung nicht primär schulischer Qualitäten erstellt. Durch leichte Korrekturen im Wegverlauf zwischen den beiden Schulhäusern wird zum Restaurant S-Kurve hin ein Feld ausgeschieden, auf dem gut einsehbar die gedeckten Unterstände für Velos platziert werden können. UNTERGESCHOSS Das Untergeschoss nimmt primär die zudienenden Nutzungen und die Tiefgarage auf. Die Tiefgarage wird über eine zweispurige Rampe von der Rütistrasse erschlossen. Insgesamt hat es Platz für 44 Autos. Für Benutzer ist die Tiefgarage von der Büchelstrasse über eine Aussentreppe und von der Rütistrasse über das öffentliche Treppenhaus mit Lift zugänglich. Die Raumschicht entlang der Rütistrasse wird über zwei interne Treppen aus dem Erdgeschoss erschlossen, welche die Schicht in drei Zonen unterteilen. Im nördlichen Teil ein Technikraum für Heizung, Lüftung, und Sanitär sowie ein Lager- und Büroraum für den Abwart mit direktem Zugang zum gegenüberliegenden Lift. Der Mittelteil, eingespannt zwischen den Erschliessungen, verfügt, dank einer Terrainabsenkung entlang der Fassade, über Tageslicht. Vorerst wird rund zwei Drittel des Raumes als Lager- und Archivraum genutzt. Das restliche Drittel wird ausgebaut und als Werkatelier genutzt. Im südlichen Teil der Raumschicht sind der Elektro- und Serverraum sowie ein weiterer Lagerraum untergebracht. ERDGESCHOSS Das Schulhaus wird über ein mittig ins Gebäude eingezogene Vorzone betreten. Es öffnet sich eine grosszügige Eingangshalle, welche über eine gegenläufige Treppenanlage mit dem Obergeschoss verbunden ist. Hinter den Aufgängen werden zwei Pools für die Schülergarderoben geschaffen. Gegen Osten sind die Klassenzimmer für den Spezialunterricht und das Büro Schulleitung orientiert. Die beiden Kindergarten-Einheiten sind gegen Süden, der Mehrzweckraum gegen Norden orientiert. Sowohl die Kindergärten als auch der Mehrzweckraum sind über einen separaten Zugang von der Rütistrasse erschlossen und können so autonom betrieben werden. Die Lehrer-, Schulleitungs- und Therapieräume sind gegen den Pausenplatz ausgerichtet. Sämtliche Toilettenanlagen werden in einer Raumschicht im Erdgeschoss zusammengefasst. OBERGESCHOSS Im Obergeschoss befinden sich – angeordnet um einen zentralen, grosszügigen Erschliessungsraum - die 9 Klassenzimmer und die dazugehörenden Gruppenräume sowie eine Kleinklasse und das Spezialzimmer Deutsch. Mit ihren grosszügigen Abmessungen können die Klassen flexibel und individuell möbliert werden. Vier Gruppenräume sind so angeordnet, dass bei Bedarf jeweils zwei Gruppenräume zusammengelegt werden können und Platz schaffen für weitere Klassen. Dank dem umlaufenden Fluchtbalkon kann der grosszügige Erschliessungsraum flexibel möbliert und bespielt werden. Das ganze Geschoss wird damit zu einer Lernlandschaft. Der Fluchtbalkon bietet zudem einen konstruktiven Sonnen- und Witterungsschutz und ermöglicht den Einsatz von raumhohen Verglasungen. Die den Unterrichtsräumen vorgelagerte Tragkonstruktion des Fluchtbalkons definiert einen feingliedrigen Filter, welcher dem Gebäude das angenehme Gepräge eines leichten Pavillon verleiht. Mehrere rhythmisch gesetzte Oblichter bringen Tageslicht in den tiefen Gebäudekörper und schaffen eine Mittelzone, welche für flexible und offene Unterrichtsformen geeignet ist. Es können Raumstrukturen sowohl für den klassischen Frontalunterricht wie auch für den fächerübergreifenden Unterricht in Lerngruppen angeboten werden. Die Erschliessungszone wird als öffentlicher Raum, als eine Art Lernstrasse verstanden. Schaufenster zwischen Lernstrasse und Klassenraum schaffen Sichtbezüge und ermöglichen die Präsentation von Arbeiten. Durch flexible Möblierungen kann der Raum in seiner Nutzung und räumlichen Wahrnehmung konditioniert und unterschiedlichsten Bedürfnissen gerecht werden. KONSTRUKTION Das Tragwerk des Erd- und Obergeschosses besteht aus einem Holz-Beton-Verbunddeckensystem mit Holzstützen. Die Aussteifung erfolgt über die zwei Treppenhäuser in Ortbeton. Das Tragwerk und die räumliche Ausbildung sind klar und einfach strukturiert. Diese Konstruktionsart ermöglicht eine rationelle, ökonomische Bauweise mit einer hohen Flexibilität gegenüber zukünftigen Veränderungen. Die Raumeinteilungen sind mit Leichtbauwänden variabel einteilbar und können jederzeit verändert und den Bedürfnissen angepasst werden. Die Holzkonstruktion ist im ganzen Gebäude als sichtbare Struktur ablesbar und trägt zu einer der Primarschule angemessenen Atmosphäre bei. Das Gebäude ist im Minergie-Standard geplant.